Westenbrügge 1300-1336
Worum ging's in der ersten Urkunde
Heinrich von Bülow

Es ging um ein Geschäft des Gutsbesitzers, Herzog Heinrichs II, des Löwen, mit dem nächsten Gutsbesitzer, Heinrich von Bülow.

Übersetzung der ersten Urkunde, die Westenbrügge erwähnt.

 
Das vorliegende Schriftstück mit allen Beschlüssen gibt Heinrich, von Gottes Gnade Herr über Magdeburg und Stargard zum Gesamtwohl durch den Erlöser.

Wir haben im gemeinsamen Sinne mit den Anwesenden geprüft und wollen zusammen feststellen (gemeinsam erörtert und einstimmig beschlossen), was wir dem von uns ausgewählten und uns treuen Heinrich, genannt von Bulowe (Bülow, mit den Löwen hatten sie's) und seinen rechtmässigen Erben auf Rückzahlung (Widerruf) überlassen haben, einschliesslich was dazu gehört (pheudum iustum, als rechtmässiges Lehen) in den Häusern (mansis, engl. mansion, befestigtes Haus, Besitz) und Landgütern (Dörfern) Keteldesdorpe (Kägsdorf), Nyendorpe, (Hohen Niendorf) Horst (zwischen Gersdorf und Wichmannstorf), Westinghbrugghe (Westenbrügge), wie sie in den jeweiligen derzeitigen Grenzen liegen, für 450 slavische Mark, und zwar so, dass er oder seine rechtmässigen Erben alljährlich zum Ersten des Jahres eine Mark für jeden Besitz wegnehmen mögen, solange bis ihm und seinen Erben die Summe vollständig abbezahlt wäre; und mit der vollständigen Bezahlung wird das uns zugesagte Gewährte ohne irgendein Hindernis aufgelöst.

Darüber hinaus haben wir dem vorgenannten Heinrich und seinen rechtmässigen Erben die Gerichtsbarkeit über Hand und Hals (Kopf und Kragen) in den Besitzungen der vorgenannten Landgüter und ihrer gesamten Grenzen übertragen und freigegeben, so wie wir sie innehaben, für 200 slavische Mark; das gesamte Gerichtsrecht fällt an uns, wenn wir ihm Abtrag geleistet haben.

Darüber hinaus haben wir ihm und seinen rechtmässigen Erben alle Dienste erlassen, soweit wir das auf den genannten Gütern können, wollen uns aber und unseren Erben die Dienstbarkeiten der Anstelligen erhalten.

Damit also von daher später keine Art Rechtsverdrehung entstehen kann, haben wir die vorliegenden Schriftstücke mit dem Schutz unseres Siegels bekräftigt.

Zeugen dessen sind: Cremun, Plote, Dewitz, Vilitz, unsere Mitstreiter und Ratgeber und mehrere andere Vertrauenswürdige.

Gegeben Sternberg, im Jahre des Herrn 1318 am dritten Wochentag nach dem Sonntag, an dem gesungen wird Richte mich Herr. (11.4.1318).

 
Was heisst das nun genau?
  1. Bülow zahlt 450 bar auf Kralle und wenn in 112 Jahren (450 / 4 = 112) nicht zurück gezahlt wird, gehört es ihm, oder
  2. Bülow zahlt 450 bar auf Kralle und der Fürst berappt jährlich 4 Mark, wenn er's wiederhaben will, oder heisst es vielleicht sogar,
  3. Bülow zahlt 4 Mark pro Jahr und wenn er löhnt, gehört ihm alles nach 112 Jahren, oder
  4. Bülow zahlt 450 bar und 112 Jahre später muss er es wieder zurückgeben, nachdem er sich aus dem Einkommen jährlich 4 Mark hat als Abzahlung anrechnen lassen müssen?
Wer es studiert hat oder weiss, möge es mich einmal wissen lassen. Fest steht, Bülow hat das ganze relativ schnell und ohne Komplikationen an einen anderen Manager/Eigner weitergegeben und hat es vielleicht selbst nie betrieben.

In Mecklenburg hat in den letzten 112 Jahren mindestens 6 mal die Währung gewechselt. Das Abstottern über einen solchen Zeitraum dürfte kein Problem sein.

Spätestens 1923 wäre jeder fertig geworden. In dem Jahr wollte Douglas Fairbanks Jr. Österreich kaufen, was er sich mit U.S. Dollars zu der Zeit durchaus leisten konnte. Er wunderte sich, dass niemand es ihm verkaufen wollte.

Wieso war das Gericht soviel wert? Bald 50% der Güter. Da hätte er ja viele Blitzkästen aufstellen müssen, um das wieder hereinzubringen. Gehörte dazu die Vermögenssteuer, die Bede? Schade, dass die meisten humanistisch Hochgebildeten keine Ahnung von Kohle haben. Die war damals auch schon wichtiger als Säulen- oder Gipsköpfe.

Bei den Dienstbarkeiten ging es wohl um bestimmte Rossdienste, Erntehilfe und so weiter, bei denen jeder wusste, wovon die Rede war.


Einigermassen sicher ist: Der Herzog sammelte 650 Kracher bar ein und schaffte sich vier Management Probleme vom Hals.

Hat er gepumpt oder hat er verkauft? Ich würde sagen, er hat verkauft, aber so, dass er 600 Jahre später, nämlich 1918, noch Anrechte und Abhängigkeiten auf diesen Besitz hatte, denn sogar der Grossvater von Müller musste noch höchstpersönlich antanzen, in einem 'Homagialeid' Wohlverhalten schwören und ein paar Penunzen abdrücken.

Kein schlechter Deal. Aber das ist weniger wichtig als die Frage, was fing er an mit dem Geld? Ein Jahr später erwarb er von den Dänen Rostock. Man sieht, er hat die Kohle nicht lange mit sich herum geschleppt. Sicherlich war es eine gute und richtige Zeit in einer Hansestadt einzusteigen. Einsteigen soll man immer ein bisschen vor den guten Zeiten.

Wie sagt ein jüdisches Sprichwort: Wer den Weizen nicht hat, wenn er fällt, der hat ihn auch nicht, wenn er steigt. Er wurde mit der Investition dänischer Statthalter. 1323 erhielt er es zu voll erblichem Lehen. So konnte er bei mangelndem Respekt, Diebstahl oder den anderen üblichen Schwierigkeiten, die man mit einem neuen Geschäft in der Anlaufzeit so hat, dezent mit dem Daumen über seine Schulter auf die dänischen Kanonen deuten.

Die Familie hatte auch andere Immobilien erworben, um die er sich dann noch schlagen musste, z.B. Stargard. Leider riss es ihn dann vorzeitig von den Füssen, sodass er sein Haus nicht so recht bestellen konnte. So mussten sein Söhne den Laden anschliessend erstmal etwas "konsolidieren", wie man heute sagen würde.

Er, wie auch sein Chef, Welfenherzog Heinrich von Braunschweig, hiess übrigens ebenfalls 'der Löwe'. Und sein Westenbrügger Pächter Bülow hiess ebenfalls Heinrich und auch Bulowe, was vielleicht von Löwe abgeleitet ist. Was die mit solchen fernen Raubtieren hatten, ob das gerade die exotische Schmusekatze der In-Society war, ich weiss es nicht.

1348, 30 Jahre nach dem Westenbrügge Deal, wurden übrigens die Mecklenburger reichsunmittelbare Herzöge. Dies war eine wesentliche Beförderung vom Niederlassungsleiter Heinrichs des Löwen (der in Braunschweig). Der alte Heinrich der II hat's nicht mehr mitbekommen, aber seine Schulden und seine Probleme hatten sich für seine Kinder und Enkel gelohnt.

Ein besseres Lebensmotto für ihn wäre vielleicht gewesen: Balance Making a Life and Making a Living.