Westenbrügge 1336 - 1350
Moltke

1336, also 18 Jahre nach dem Bülow Geschäft in der ersten Westenbrügger Urkunde, taucht ein Konrad Moltke von Westenbrügge als Zeuge einer lokalen Geschäftstransaktion auf.

Also Bülow war vielleicht auch nur Managing Director oder Banker für die erwähnten vier und weitere Niederlassungen, darunter Westenbrügge. Oder er hatte sie ganz flott an einzelne Betreiber weitervergeben, Land Flipping wuerde man das heute nennen.

Immerhin, die Familie Bülow war in der direkten Gegend weiterhin begütert und das so beständig, dass sie noch Ende 1600, als fast jeder inzwischen wegen des 30-jährigen Krieges pleite gegangen war, als Ehefrau des Eigners und Erbauers des heutigen Gutshauses von Westenbrügge auftaucht.

Das rechte Wappen in dem Allianzwappen vom Westenbrügger Herrenhaus und das rechte bunte sind jeweils das Bülow Wappen mit 14 Goldbällen.

Westenbrügge war für den UrBülow nicht Cream of the Crop. Es war bei aller damaligen Grösse nur eine Hanse-Autobahnraststätte und ein produzierender Filialbetrieb JWD (Janz Weit Draussen). Vergessen wir nicht, hier stand noch eine zugige Burg von viel Wasser umgeben und nicht das heutige komfortable Haus.

Es kamen damals viele Leute hier durch, denn hier konnte man dank der Westenbrücke(gg)e trockenen Fusses mit schweren Lastwagen über die Hellbach Sümpfe und anschliessend in alle Richtungen weiterfahren.

Also viele Leute traf man hier schon, aber in erster Linie LKW-Fahrer und Aussendienstler, wie auf heutigen BAB Raststätten halt auch. Das Land dürfte mehr Sumpf und Sand gewesen sein, als anderwo. Heinrich Bülow hat hier wahrscheinlich gerade mal einen Kaffee geschlürft, sein Pferd getankt und den Buchhalter frisch gemacht.


1349 wandern Heinrich Moltke auf Westenbrügge und ein paar Kumpane in Rostock in den Bau, (werden verfestet) weil sie "dem Sachwalt Joann von Lübek die Zunge abgeschnitten haben". Ob das wörtlich zu verstehen ist, oder ob sie diese Art Richter oder Staatsanwalt nur beim Plädoyer mit Trillerpfeifen unterbrochen haben, ist nicht richtig sicher.

Auch heute würde gern der eine oder andere beim Fussball den Schiedsrichter seine Pfeife schlucken lassen. Für den hiess es jedenfalls: Rote Karte, ab ins Cafe Viereck, wie das zu Militärdienstzeiten hiess.

Ich denke, hier handelt es sich um das, was man in Amerika ein Contempt of Court Charge nennen würde. Der Richter sagt, setz Dich hin und halt den Mund, und die Prozessbeteiligten benehmen sich dennoch weiterhin vorbei. Nach einigen Verwarnungen dürfen die dann im Kitchen ihre hitzigen Gemüter abkühlen.

So schlimm war's wohl auch hier nicht. Denn Moltke von Westenbrügge hatte später noch einen hohen politischen Job und tauchte als Zeuge unter etlichen herzoglichen Urkunden fernab von Westenbrügge auf.

Naja, viele haben in Ihrer Jugend mit Tomaten geschmissen und wir Deutschen haben ja gelernt: Mit so einer Vergangenheit kann man zwar kein Unteroffizier mehr werden, aber für einen Aussenminister kann das durchaus eine Karriere fördernde Qualifikation sein. Selbst wenn man dazu noch chronisch griesgrämig guckt und dennoch fast so oft geheiratet wird, wie Liz Taylor.

Aber das ist Okay so. Wenn Du unter 25 bist und Dein Herz schlägt nicht Links, fehlt es Dir vielleicht an Herz. Wenn Du über 35 bist und es schlägt immer noch links, dann fehlt's vielleicht am Hirn.