Klassizistischer Umbau 1850

Um 1850 gab es einen wirtschaftlichen Aufschwung, ähnlich den 1960ern. Auch hier brachten Demokratisierung und freier Wettbewerb eine gute Dekade später technischen Fortschritt hervor. Der technische Fortschritt wurde schnell kommerzialisiert, nicht durch Regulationen behindert und dadurch ins Ausland abgewiesen.

Wie in den 60ern löste dies einen lang anhaltenden Boom aus und in der Folge 1848 Studentenunruhen, sowie wachsenden Wohlstand für die weitaus meisten produktiven Leute. Schade, dass nach der Wende der Wettbewerb nur kaputt besteuert und reguliert wurde.

Na, jedenfalls zu dieser Zeit, 1850, machten die Müllers die ersten grossen Umbaumassnahmen in Westenbrügge, seit die vorherige Generation 1823-25 nach ihrem Kauf eine Menge Geld in die heruntergekommenen Hofgebäude hatte stecken müssen.

Das Herrenhaus hatte noch ein mächtiges Sattel- oder Walmdach. Es war noch auf drei Seiten von einem breiten Wassergraben umgeben, auch wo heute der Pavillon steht.

1850 entstand das Mezzanine Obergeschoss mit Belvedere auf dem Herrenhaus und der Pavillon.

Wie kommt man auf solche Ideen?

Der mecklenburgische Grossherzog von Napoleons Gnaden hatte seine Sommerresidenz nach Doberan und Heiligendamm verlegt. Heiligendamm war brandmodern, fesch und strotzte von feiner Gesellschaft.

Bauherr von Müller kannte wahrscheinlich schon die Pavillons auf dem Kamp und er kannte sicherlich das Mecklenburg-Haus in Heiligendamm, noch ohne den grossen Anbau zum Meer hin.

Übrigens, nichts gegen Denkmalschutz, aber Müller wohnte damals in einem 155 Jahre alten Haus, das sicherlich ebenso wie jedes heutzutage um 1850 gebaute besondere Haus, unter Denkmalschutz gestanden hätte.

Man möge sich nur mal vorstellen, was einem heute der Denkmalschutz erzählen würde, wenn jemand so einem Haus das Dach abreisst, um ein weiteres Stockwerk aufzusetzen und den Stil komplett nach brandmodern zu drehen.

Dennoch, was der Müller mit - in deren Sinne - frevelnder Hand getan hat, das schützen sie heute.

Müller kannte das Mecklenburg-Haus noch ohne den Anbau zum Meer hin, so wie es auf dem ersten Bild erscheint. Finden Sie Ähnlichkeiten mit dem Westenbrügger Herrenhaus?

Die folgenden Bilder zeigen das Mecklenburger Haus in Heiligendamm in den 30ern und heute im Vergleich mit dem Westenbrügger Herrenhaus.

Weiter unten sehen Sie zuerst den weissen und den roten Pavillon auf dem Doberaner Kamp, dann in den anderen drei Bildern Vergangenheit, Gegenwart und Planungszukunft des Westenbrügger Pavillon.

Ihre Maus über dem Bild bringt die Gesamtsicht.