Westenbrügge 1750 - 1950
Müller Rankendorf

Gegen Ende 1700 wurde das Gut zum Spekulationsobjekt (Land Flipping) etlicher Geheimräte, Notare und dergleichen Bildungsbeamte, die stets eines der heute separat bekannten Güter abteilten und dann alles an verschiedene Eigner weiter verkauften, oft nach nur zwei Jahren.

Schliesslich, mit Napoleon, wurden die Zeiten ärmer und das Land zu gering, um einen gesunden Betrieb damit zu führen.

Der letzte Eigner verkaufte das Land und die herunter gekommenen Gebäude von Westenbrügge und Bolland daher zusammen, obwohl die "Teilungserklärung" bereits stand. Bolland war zwar als alleinstehendes Gut eingetragen, entsprach an Land aber eher einem Grossbauernhof.

Das Wappen unten ist das der Familie von Müller Rankendorf. Der Stammvater kam aus Eisleben, wurde in Lüneburg mit der Saline reich, und brachte es zum Ratsherren und Bürgermeister dort.

Sein Sohn, Karriere Jurist mit besten Vaterbeziehungen in Lüneburg, kaufte 1818 Bolland und Westenbrügge, sowie Rankendorf im heutigen Kreis Nordwest-Mecklenburg. Vielleicht auch deshalb, weil er nicht das allergrösste Gottvertrauen in die freiwirtschaftlichen Fähigkeiten seiner Nachkommenschaft hegte. So ein Landgut war immerhin ein ganz guter Selbstgänger damals.

Und da tat er recht daran, denn das namensgebende Gut musste relativ bald wieder aufgegeben werden. Aber in Westenbrügge blieben die Müllers über 125 Jahre bis 1945.

Ein weiterer guter Grund für die anfänglichen wirtschaftlichen Herausforderungen der Muellers war sicherlich, dass nach den Napoleonischen Kriegen kein Wirtschaftswunder einsetzte, sondern die altmodische Überverwaltung durch den Wiener Kongress wieder eingesetzt wurde und damit zunächst die ärmliche Biedermeierzeit kam.

Für Deutsche war es schon immer besser, Kriege zu verlieren, als zu gewinnen, denn das kehrt auch die fürchterlichen, eingesessenen deutschen Bürokraten hinaus, wodurch ein Wirtschaftswunder erst möglich wird.

Aus dem Grund wäre es für die DDR wahrscheinlich auch besser gewesen, sie richtig pleite gehen zu lassen, statt sie mit Milliardenförderungen, von alten Bürokraten verteilt, wieder aufzupäppeln.

So waren die wirtschaftlichen und verwaltungsmässigen Verhältnisse nach Napoleon ganz ähnlich wie nach der Wende. Man hatte die alten Schergen wieder. In Napoleons Zeiten bereits eingeleitete Reformen (Stein/Hardenberg) wurden ausgebremst.

Der Gutserbe von 1945, Dr. Andreas von Müller, lebt heute mit seiner Frau als Pensionär in Berlin und erfreut sich etlicher hoffnungsvoller Enkel von ebenfalls sehr wohlausgebildeten Söhnen.

Man lernt daraus, was in vielen Flüchtlingsfamilien den Kindern weitergegeben wird und was man ALLEN Kindern weitergeben sollte:

Man kann Euch alles nehmen, Geld, Gut, Autos, Häuser, Land, Alles - Nur nicht, was Ihr gelernt habt. Damit könnt Ihr immer wieder bei Null anfangen, wenn's sein soll, auch woanders, wo es mehr politische Freiheit für den Einzelnen gibt.

Mecklenburg a la IGA Rostock