Entwicklung der Strassen und Wege


Westenbrügge am Hellbach 1700*
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Hauptstrasse durch Westenbrügge 1820*
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In ganz alten Kolonialisierungszeiten kaufte man am Start einer Reise eine Karte und zahlte dem Trailchef oder der Rodungstruppe einen Zoll, ganz wie zu Zeiten der amerikanischen Kolonialisierung, als man in St. Louis oder Independence auf einem Trail nach Westen aufbrach. Selbst eine Karte um 1700 zeigt keine Strassen, aber wohl eher aus anderen Gründen.

Es gab allgemein noch viel mehr Wasser in der Umgegend. Sehen Sie die Lage von Old Crin (Alt Karin) westlich des Sees, sehen Sie, was heute davon übrig ist und wo das Hofzentrum mit Kirche liegt.

Der Conventer See war noch viel grösser und hatte ursprünglich Verbindung zur Ostsee. Doberan konnte vielleicht bei seiner Gründung von der Ostsee versorgt werden.

Ganz Westenbrügge und ganz Gerdshagen war von viel Seen und mehrfachen breiten Gräben umgeben, sogar noch 70 Jahre später. Der Hellbach, prominent eingezeichnet, war mit seinen Sümpfen nicht so einfach zu überwinden für schwere Frachtwagen.

Also "Global Warming" ist wohl eher "Hot Air", denn das viele Wasser nach der sogenannten kleinen Eiszeit hat sich inzwischen längst gefroren an den Polen gesammelt. In diesem Sinne nicht: "Stop Global Warming", sondern: "Stop Global Whining."

Der Buchstabe K ist noch nicht recht 'In' und Umlaute sowieso nicht. Sowas kam erst mit der Supermacht der Franzosen, so wie wir heute lauter Anglizismen verwenden. Man verwendet noch meist das C aus Römerzeiten.

Auf der Karte 1820 sind deutlich verschiedene Verkehrswege verzeichnet. Die dicke Hauptstrasse führt, seit 600 Jahren schon, direkt durch Westenbrügge. Damals noch südlich an Lehnenhof vorbei geht sie nach Neubukow. Nachdem jetzt Louis Quartorze und Napoleon mit Ihrer Supermacht Frankreich durch sind, gibts reichlich K's und reichlich Umlaute, aber was es noch nicht gibt, ist die B105.

Die sogenannte Chaussee kommt erst nach 16 weiteren Jahren. Sie war eine für damalige Verhältnisse autobahnmässig ausgebaute Schnellstrasse mit Mautzollhäusern, deren Kassenerker in die Strasse ragten. Prominente Beispiele sind das Haus gegenüber der Sandhagener Abbiegung nach Westenbrügge und in der Ortsmitte von Reddelich, beide links in Richtung Bad Doberan. Praktisch hat sich nichts geändert. Hinter den Erkern stehen noch heute immerzu die Blitzer.

Der Bau war ein Segen für das Gut Westenbrügge, denn die Müllers, die das Gut erst 16 Jahre besassen und viel Geld in die herunter gekommenen Gebäude hatten stecken müssen, besassen vor Detershagen am Nordostende ihres Landes Kiesgruben. Normalerweise keine grosse Freude für einen Landwirt waren sie in diesem Fall eine Quelle für Strassenbaumaterial und damit profitablen Umsatz.

Genau wie die alte Hauptstrasse durch Westenbrügge ihre Bedeutung an die Chaussee (B105) verlor, so verlor die B105 160 Jahre später ihre Bedeutung an die neue A20, die heute den Fernverkehr ein- und ausführt. Westenbrügge wurde von einem Verkehrsknotenpunkt in der Nähe eines ganz wichtigen Kolonisationszentrums, des Klosters Parchow, zu einem vergessenen, idyllischen Kaff im Hinterland.

Kartenüberblick heute

*  Landkarten - Zeitbilder, Frank Mohr, Gregor Stentzel, Edition Temmen